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Sportreporterlegende Werner Hansch ist ab sofort neuer Botschafter des bundesweiten Fachverbandes Glücksspielsucht e.V.

Werner Hansch Mit Herz und Bauch dabei - das ist seit Jahrzehnten das Motto der Sportreporterlegende Werner Hansch. Leidenschaft am Mikro ist sein Markenzeichen, er bringt die Emotionen aus dem Fußballstadion in die Wohnungen seiner Zuschauer und Hörer. Doch Werner Hansch trug auch genau ein Jahrzehnt ein dunkles Geheimnis in sich, welches er im Zuge seiner Promi Big Brother Teilnahme auf SAT.1 offen und schonungslos einem Millionenpublikum offenbarte. Werner Hansch ist glücksspielsüchtig!

Nachdem arena tv 2006 völlig unerwartet seinen Betrieb nach nur einem Jahr eingestellt hatte, stand Werner Hansch nach mehr als 25 Jahren plötzlich ohne TV-Sender da und fiel in ein großes Loch. Nach mehr als 1.400 kommentierten Spielen wurde er von einem Tag auf den anderen nicht mehr gebraucht. Das Gefühl „nicht mehr gebraucht zu werden“ erfasste den damals 70jährigen und so kam es, dass er eines Tages eher zufällig das Wettbüro eines Buchmachers für Pferdewetten betrat, wo ihn die umstehenden Zocker natürlich allesamt kannten. Hansch stand wieder im Rampenlicht, wenn auch in einer sehr fragwürdigen Welt. Schließlich überzeugten ihn die anderen Zocker, doch selbst mal zu wetten: Hansch setzte 20 € und siehe da, er gewann.

Damit war die Lunte der Glücksspielsucht entzündet, welche tief in ihm verborgen lag. Fortan setzte Hansch immer größere Summen bei Pferderennen in Frankreich und England. Zu den Hochzeiten setzte er bis zu 2.000 € auf einzelne Pferde. Werner Hansch verspielte sein gesamtes Vermögen. Selbst sein Haus im noblen Dortmunder Stadtteil Lücklemberg musste er verkaufen. Hansch war Gefangener seiner Sucht und, wie er heute weiß, nicht mehr Herr seiner Sinne. Und so lieh sich die „Stimme des Ruhrgebiets“ unter fadenscheinigen Ausreden immer öfter Geld in seinem großen Bekanntenkreis. Der Druck war so groß, ich hätte selbst den Papst angepumpt, wenn ich ihn getroffen hätte.

Einer, der ihm ebenfalls Geld lieh, war CDU-Politiker Wolfgang Bosbach. Er hatte noch im Jahr 2017 eine Laudatio auf Werner Hansch beim Steiger Award gehalten. Ein Jahr später im November 2018 nach einer gemeinsamen Veranstaltung pumpte Hansch auch ihn an, in dem er ihm die Geschichte eines Autounfalls unter Alkoholeinfluss, welchen er unter der Hand regeln müsse, erzählte. Bosbach gewährte ihm ein 5.000 € Darlehen. 

Hansch, der im Frühjahr 2019 unter einer Lungenentzündung litt und daher auch einige Auftritte als Moderator absagen musste, brach darüber hinaus völlig unerwartet ein aussichtsreiches, landesweites Projekt mit einer großen Krankenkasse sowie eine geplante Veranstaltungsreihe mit einem Partner des FC Schalke 04 weg. Dadurch konnte er das Darlehn nicht wie geplant zurückzahlen.

In dieser Situation habe ich leider den Fehler gemacht, den Kopf in den Sand zu stecken und mich nicht getraut, Herrn Bosbach von meiner Situation in Kenntnis zu setzen. Das war ein großer Fehler, der Herrn Bosbach sehr geärgert hat. Anfang September kam es zu einem Treffen mit Wolfgang Bosbach. Ich entschuldigte mich bei Herrn Bosbach, schilderte ihm meine finanziellen Schwierigkeiten und übergab ihm 1.000 € in bar, welche ich von meiner Rente zusammengespart hatte. Wenige Tage später erhielt Herr Bosbach weitere 1.500 € per Überweisung, so dass die Hälfte des Darlehns zurückgeführt war. Im Gegenzug sagte Bosbach zu, weitere Maßnahmen auszusetzen und mir auch die Zinsen zu erlassen, wenn ich ihm bis zu einem festen Termin die restlichen 2.500 € zurückzahlen würde.

Und so folgte, was folgen musste. Hansch konnte mangels fehlender Aufträge nicht zahlen und Herr Bosbach erstattete im Dezember 2019 Anzeige wegen Betrugs gegen Werner Hansch.

Dies war der Moment, in dem es in meinem Kopf klick gemacht hat. Ich realisierte, dass ich glücksspielsüchtig war und es so nicht weitergehen konnte. Daher muss ich sogar in gewisser Weise dankbar sein, denn ohne die Strafanzeige, hätte ich wahrscheinlich meine eigene Situation nie realisiert.

Im Februar 2020 zahlte Hansch die letzte Rate des Darlehens in Höhe von 2.500 € an Wolfgang Bosbach zurück. Wenige Tage später erschien bei der Funke Medien Gruppe und in vielen anderen Medien ein Artikel über die Strafanzeige. Wolfgang Bosbach hatte die Informationen über das Darlehen und die Strafanzeige an einen Journalisten der Funke Medien Gruppe weitergegeben, obwohl er sein komplettes Darlehn bis auf ein paar Verfahrenskosten zurückerhalten hatte.

Ein Spießrutenlauf begann. Gedemütigt und beschämt von den bundesweiten Schlagzeilen, verließ ihn auch noch seine langjährige Lebensgefährtin, mit der er seit über 30 Jahren zusammenlebte. Über Monate hinweg hatte sie ihn angefleht, mit dem Zocken aufzuhören. Doch die Sucht war stärker als die Liebe. Freunde wendeten sich von ihm ab und die Auftragslage verschlechterte sich dramatisch.

Der Reporter mit der markanten Stimme beschloss, seinem engsten Vertrautenkreis, die allesamt bis dahin nichts von seiner Glücksspielsucht wussten, reinen Wein einzuschenken. Auf Anraten seines Anwalts begann er eine Therapie gegen seine Glücksspielsucht und schloss sich einer Selbsthilfegruppe der Spieler Spielsüchtiger an.

Ich fühle mich in der Therapie gut aufgehoben und befinde mich auf einem guten aber langen Weg, der alte Werner Hansch zu werden, der ich 70 Jahre lang war. Ein Wettbüro habe ich seit inzwischen mehr als 8 Monaten nicht mehr betreten und verspüre Gott sei Dank auch null Verlangen.

Doch der Sportreporter aus dem Pott wäre nicht Werner Hansch, wenn er sich nicht seinen Gläubigern gestellt hätte. Der Ratschlag, Privatinsolvenz anzumelden, kam für den 82jährigen nicht in Frage. Hansch wollte den angerichteten Schaden persönlich wiedergutmachen. Da kam auch das Angebot, bei Promi Big Brother 2020 auf SAT.1 mitzumachen, wie gerufen für den noch immer sehr agilen Kommentator, der bis vor kurzem noch Tennis gespielt hat. Hansch sagte trotz einiger Bedenken seines Umfeldes sofort zu. Und so schöpfte der noch immer aktive Moderator, Keynote Speaker und Sprecher vieler Werbespots weiteren Mut, seine Fehler wiedergutmachen zu können. Er kontaktierte seine Gläubiger und versprach ihnen, alles dafür zu tun, dass sie ihr Geld zurückerhalten.

Ich hatte bereits vor Promi Big Brother Schulden im mittleren fünfstelligen Bereich getilgt und sehe es als meine Lebensendaufgabe an, den Menschen, welche mir jahrelang ihr Vertrauen geschenkt haben und die ich belogen habe, ihr Geld zurückzuzahlen. Ich bin absolut in der Bringschuld. Der zusätzliche Gewinn von 100.000 € bei Promi Big Brother hat mir natürlich in die Karten gespielt. Alle Einnahmen der nächsten Monate und Jahre werden zu 100 % zur Schuldentilgung eingesetzt. Ich lebe aktuell von dem, was mir nach der Pfändung von meiner Rente noch bleibt und selbst davon tilge ich noch Schulden. Das wird sicherlich ein langer, steiniger Weg und viel Zeit habe ich sicherlich auch nicht mehr, aber das möchte ich in jedem Fall versuchen.

Neben seiner Therapie und der Rückzahlung seiner Schulden lag Werner Hansch jedoch eins besonders am Herzen, was er auch vor laufenden Kameras bei Promi Big Brother immer wieder betonte: ein Engagement im Bereich der Spielsuchtprävention.

Auch dieser Ankündigung ließ Hansch nun Taten folgen und ist ab sofort als Botschafter des bundesweiten Fachverbandes Glücksspielsucht e.V. tätig. Der Fachverband Glücksspielsucht e.V. ist ein bundesweit tätiger Verband, dem neben Betroffenen auch Wissenschaftler, Ärzte, Juristen, Psychotherapeuten, Suchttherapeuten und als juristische Mitglieder Selbsthilfegruppen, Beratungsstellen und Fachkliniken angehören. Er ist Mitglied der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) und verfügt über einen Sitz im Fachbeirat Glücksspielsucht, der die Bundesländer bei der Umsetzung des GlüStV berät.

Glücksspielsüchtige und ihre Familien bekommen in der Regel wenig Aufmerksamkeit: weder von der Politik, noch von der Öffentlichkeit. Man spricht nicht darüber, wenn die Kontrolle über das Glücksspielen verloren geht, verheimlicht es selbst vor der Familie und dem engen Freundeskreis. Der Glücksspielsüchtige rutscht so immer tiefer in die Abwärtsspirale: die Scham ist meistens stärker als die Vernunft. Davon kann auch Herr Hansch ein Lied singen. Der Fachverband Glücksspielsucht setzt sich für effektiven Spielerschutz wie Sperrmöglichkeiten von Glücksspielsüchtigen in Spielhallen, Wettbüros und Spielbanken ein, hilft Süchtigen dabei, ihr verspieltes Geld von illegalen Onlinecasinos zurückzubekommen und unterstützt Selbsthilfegruppen, die Werner Hansch ebenfalls besucht.

Ilona Füchtenschnieder, Vorsitzende des Fachverbandes ist von der Kooperation begeistert: Wir freuen uns sehr, dass Werner Hansch unserem Verein sein Gesicht gibt und damit hilft, dieser Krankheit mehr Aufmerksamkeit in den Medien zu bescheren. Gemeinsam werden wir über die Gefahren des Glücksspielens aufklären und uns für die Interessen der Betroffenen und ihrer Familien einsetzen. Es ist nie zu spät mit dem Glücksspielen aufzuhören. Das ist unsere Botschaft!

Und auch Werner Hansch ist begeistert von seiner neuen Aufgabe: Hundertausende von Glücksspielsüchtigen haben bis dato keine zweite Chance wie ich erhalten. Sie haben ihr ganzes Hab und Gut verspielt. Wenn ich mit meiner Bekanntheit dazu beitragen kann, auch nur einen einzigen Menschen vor diesem Schicksal zu bewahren, dann wäre das schon eine tolle Sache.

Werner Hansch wird im Rahmen seiner Botschaftertätigkeit Präventionsvideos drehen, den Verband bei der Fachtagung am 27.11.2020 in Berlin als prominenter Talkgast unterstützen und auch sonst mit seiner Bekanntheit versuchen, der Krankheit Glücksspielsucht mehr Aufmerksamkeit in den Medien zu geben. Darüber hinaus wird er auf der Website des Fachverbandes sowie in Broschüren zu finden sein und seine Suchtgeschichte erzählen.

Text: Pro Talents /FAGS e.V.

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